Robert Kretschmer steht auf und öffnet eine Wasserflasche. „Wir benutzen dafür beide Hände anstatt einer, weil es besser geht“, erklärt der Chemiker von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Das Gleiche versuche ich auch in meiner Forschung anzuwenden. Die meisten Katalysator-Moleküle haben nämlich nur ein aktives Zentrum. Wenn man aber zwei verwendet, können sie zusammenarbeiten.“ Unter welchen Umständen das gelingen kann, das ist eine der Fragen, die der neue Juniorprofessor für Anorganische Chemie der Katalyse seit diesem Semester in Jena erforscht.

Zwei Hände arbeiten besser als eine

Ein Ziel des 35-jährigen Wissenschaftlers ist es, nachhaltigere und ungiftigere Methoden zu entwickeln, mit denen verschiedene chemische Grundstoffe hergestellt werden können. Wo oftmals giftige Schwermetalle zum Einsatz kommen, wie Rhodium oder Platin, wählt Robert Kretschmer deutlich harmlosere Elemente wie Aluminium, Silizium oder Magnesium. „Das ist zum Beispiel ein Vorteil, wenn Kunststoffe damit hergestellt werden“, erklärt Kretschmer. „Denn die Katalysator-Moleküle werden dabei in dem Kunststoffmaterial eingeschlossen.“

Bei seinen „zweihändigen“ Systemen gibt es allerdings viele Stellschrauben, die untersucht und aufeinander abgestimmt werden müssen. Damit die beiden „Hände“ zusammenwirken können, muss der Abstand zwischen ihnen stimmen – aber auch der Winkel oder die Orientierung zueinander. „Wir konnten bisher zeigen, dass das Konzept stimmt. Aber wir wissen noch nicht genau, was dabei geschieht.“ Dass er das in den nächsten Jahren in Jena herausfinden wird, davon ist Kretschmer überzeugt. Denn er kennt die Universität bereits.

Robert Kretschmer ist Juniorprofessor für Anorganische Chemie der Katalyse der Friedrich-Schiller-Universität Jena. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Robert Kretschmer ist Juniorprofessor für Anorganische Chemie der Katalyse der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

(Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Nach mehrjähriger Erfahrung als Chemielaborant studierte er von 2007 bis 2010 Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität. Nach seiner Promotion an der TU Berlin 2012 forschte er für ein Jahr jenseits des Atlantiks in San Diego, bevor er ab 2015 Nachwuchsgruppenleiter an der Universität Regensburg wurde. „Ich hätte dort noch einige Jahre bleiben können,“ sagt Kretschmer. „Aber die Jenaer Juniorprofessur mit Tenure Track hat mich aufgrund der vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten einfach gereizt. Die Chemie ist hier sehr stark aufgestellt.“ Er ergänzt: „Es gibt verschiedene Anknüpfungspunkte, kurze Wege und die Gruppen sind hochmotiviert. Auch meine Teammitglieder, die mit mir aus Regensburg nach Jena gekommen sind, sind begeistert.“

Smartphone-App für die Lehre

Engagiert ist er aber nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre. Seit einigen Jahren entwickelt er gemeinsam mit Spieleentwicklern und Kolleginnen und Kollegen der „Jungen Akademie“ eine App für Smartphones und Tablets. Diese soll wissenschaftliches Schreiben spielerisch an Studierende vermitteln. „Die App erklärt, was bei wissenschaftlichen Texten beachtet werden muss und zeigt dann Texte und Abbildungen. Dort müssen Fehler entdeckt werden.“ Wenn sie fertig ist, will Prof. Kretschmer die App zum Beispiel zusätzlich in Seminaren einsetzen.

Chemie an der Uni Jena studieren

Wer sich für dieses Thema interessiert, kann an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Chemie studieren. Es gibt den Bachelorstudiengang (https://www.uni-jena.de/Studium/Studienangebot/BSc_Chemie.html), für den die Einschreibefrist für das kommende Wintersemester am 15. September endet. Außerdem werden verschiedene Masterstudiengänge für das Fach angeboten (https://www.uni-jena.de/Studienangebot.html).

Info, FSU JENA /// Axel Burchardt

06.08.2019