Diana Forker hat ihr Eldorado in Dagestan gefunden. Das kleine Land im Kaukasus – etwa so groß wie Niedersachsen – hat gerade mal gut 2,9 Millionen Einwohner, doch die sprechen 30 bis 40 verschiedene Sprachen. Die ungenaue Zahl ergibt sich, weil selbst Experten sich nicht einig sind, wo die Grenze zwischen Dialekt und Sprache verläuft. Diese Sprachenvielfalt ist Diana Forkers Forschungsgegenstand: Die 39-jährige Wissenschaftlerin wurde gerade auf die Professur für Kaukasusstudien mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaften an der Universität Jena berufen.

„Wenn wir uns viele Sprachen anschauen, lernen wir zu verstehen, wie menschliche Sprache überhaupt funktioniert“, sagt Prof. Dr. Diana Forker. Eng verknüpft sei zudem das Denken mit der Sprache. So ist die Sprachwissenschaftlerin Forker bei der Analyse verschiedener Sprachen auf der Suche nach Mustern, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar machen. „Sprachen verändern sich – sie werden effektiver – und wir schauen, wo wir die dahinterliegenden Muster erkennen können“, sagt Diana Forker. Aktuell befasst sie sich mit westkaukasischen Sprachen, etwa der Sprache der Tscherkessen. Dieses Volk lebt großteils weit verstreut in der Diaspora, allein in der Türkei leben etwa drei Millionen Tscherkessen, in Deutschland sind es ca. 30.000. Der wohl prominenteste von ihnen ist der Grünen-Politiker Cem Özdemir.

Prof. Dr. Diana Forker hat die Professur für Kaukasusstudien mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaften an der Universität Jena inne. (Foto: Anne Günther/FSU) 

Prof. Dr. Diana Forker hat die Professur für Kaukasusstudien mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaften an der Universität Jena inne. (Foto: Anne Günther/FSU)

Sprachevolution erforschen

Diana Forker möchte in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte die Sprachevolution erforschen: „Wie entstehen Sprachen? Wie verbreiten sie sich?“ Spannend sei es zum Beispiel zu ergründen, welchen Ursprung das Indoeuropäische hat. Ähnlich wie in der Evolutionsbiologie könne man dazu einen Stammbaum erstellen, doch zunächst müsse ein ausreichender Bestand an Daten gesammelt werden. Ein Instrument dafür wird eine lexikalische Datenbank sein, mit deren Hilfe die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise nach Lehnwörtern suchen können.

Diana Forker wurde in Lauchhammer geboren und lebte als Kind auf Rügen und später in Erfurt, wo sie zur Schule ging. Während eines einjährigen Aufenthalts in Moskau lernte sie eine Frau aus Dagestan kennen, die sie in ihrer Heimat besuchte. Die Freundschaft mit ihr hält bis heute – und Diana Forker lernte den Kaukasus kennen. Zu studieren begann sie in Pisa, zunächst Philosophie, später nahm sie noch Logik und Linguistik hinzu und wechselte nach Leipzig. Am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie war Forker zunächst wissenschaftliche Hilfskraft bei Professor Bernard Comrie, einem englischen Linguisten. Hier entstand ihre Doktorarbeit „A grammar of Hinuq“, die Grammatik einer kleinen kaukasischen Sprache. Die Arbeit wurde mehrfach mit Preisen gekrönt: Forker erhielt den Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft, die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft und den Georg-von-der-Gabelentz-Preis der Gesellschaft für linguistische Typologie. Als preiswürdig wurde später zudem ihre an der Universität Bamberg eingereichte Habilitation über grammatische Themen in kaukasischen Sprachen angesehen; Diana Forker erhielt den Habilitations-Preis der Uni Bamberg. Wie hochkarätig ihre Forschungen eingeschätzt werden, spiegelt sich auch in der Berufung an die Universität Jena wider: Diana Forker erhielt den Zuschlag als Heisenberg-Professorin – das heißt, auf die Dauer von fünf Jahren wird ihre Professur durch das Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Über ihre Berufung freut sich auch der Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Stefan Matuschek, weil „die Kaukasiologie mit Diana Forker nun sehr gut in die Sprachwissenschaften an unserer Fakultät eingebunden ist und deren gemeinsame Forschungsperspektive stärkt.“

Die Kaukasusstudien bekannter machen

In Jena möchte Prof. Dr. Diana Forker die Kaukasusstudien weiter entwickeln und das Fach bekannter machen. „Die Kaukasiologie ist eine schöne Ergänzung zu Fächern wie Politikwissenschaften, Slawistik oder Volkskunde beziehungsweise Kulturwissenschaft“, sagt die Mutter zweier Kinder. Akzente möchte Diana Forker deshalb in der Lehre setzen und sie hofft, noch mehr Studierende für die Richtung zu begeistern. Aktuell sind es nur wenige Studierende, die sie unterrichtet: „Noch kann ich mir alle Namen merken!“

In ihrer Freizeit gehört die Liebe dem Zirkus: Diana Forker ist aktiv im Verein „Bamberger Zirkus-Varieté“, wo sie zweimal in der Woche trainiert. Von der Rhythmischen Sportgymnastik kommend, begann sie mit Tuch, Seil und dann am Trapez zu trainieren. Aktuell versucht sie sich am „Cyr Wheel“, einer Art Rhönrad.

Info, FSU JENA /// Axel Burchardt