Bekanntlich zählt Salvador Dalí (1904-1989) zu den großen Malern des 20. Jahrhunderts. Weltberühmt wurde der Katalane durch Bilder zerfließender Uhren, brennender Giraffen und durch ein exzentrisches, selbstzerstörerisches Leben. 30 Jahre nach seinem Tod wird der Künstler nun dank eines ambitionierten Projekts der Theologischen Fakultät in Jena erneut für Aufsehen sorgen. In gleich zwei Ausstellungen sind erstmals Originallithografien der „Biblia Sacra“ Salvador Dalís zu sehen.

Predigten zu Dalí-Blättern in der Stadtkirche

Obwohl das Opus zu den bedeutenden Bibelillustrationen des 20. Jahrhunderts zählt, ist es nur wenig bekannt. Das soll sich am 15. Oktober ändern, wenn unmittelbar nach der feierlichen Semestereröffnung der Theologischen Fakultät die kleine, aber hochkarätige Ausstellung „Salvador Dalí – Biblia Sacra“ gegen 18 Uhr in der Jonakapelle am Fürstengraben 6 mit einer Einführung durch den Leihgeber Dr. Herbert Specht eröffnet wird. Am selben Abend widmet sich Professor Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr, Lehrstuhl Neues Testament, um 19.30 Uhr in der Stadtkirche St. Michael im Ökumenischen Semestereröffnungsgottesdienst in einer ersten Dalí-Predigt dem Blatt „Jona“. Weitere Predigten werden die Blätter „Das leuchtende Antlitz des Mose“, „Maria bewegte alles in ihrem Herzen“, „Rut“ und „Gib mir zu trinken“ in den Mittelpunkt stellen.

Die insgesamt 105 Illustrationen zur „Biblia Sacra“ zeugen von tiefer geistiger Durchdringung der großen Texte der Bibel durch den vermeintlich in erster Linie an der Inszenierung seiner selbst interessierten Dalí. Sein Vater war Atheist, die Mutter erzog den Jungen katholisch. Als Bürgerschreck und Surrealist pflegte der Maler eine antireligiöse Einstellung. Erst nach dem Exil – Dalí und seine Frau Gala hatten von 1940 bis 1948 in den USA gelebt – kehrte er zum katholischen Glauben zurück und malte eine ganze Reihe Gemälde mit religiösen Themen.

Anfang der 60er Jahre schuf Dalí dann auf Anregung seines Freundes Giuseppe Albaretto 63 Blätter zum Alten Testament und 42 zum Neuen Testament. So entstand ein Zyklus mit surrealen, farbintensiven, traumhaften Bildern, die für eine limitierte, fünfbändige Luxusausgabe der Bibel in bis zu 43 Druckvorgängen zu Lithografien umgearbeitet wurden. Neben diesen brachte der Verlag Rizolli auch verkleinerte Drucke heraus.

"Ionas in Ventre Piscis" ("Jona im Bauch des Wals"), Salvador Dalí, 48 x 35,3 cm, Mischtechnik, 1964 .. Foto: Josef Nannemann

"Ionas in Ventre Piscis" ("Jona im Bauch des Wals"), Salvador Dalí, 48 x 35,3 cm, Mischtechnik, 1964 .. Foto: Josef Nannemann

Einladung zur Entdeckung der biblischen Botschaften

Der evangelische Theologe und Pfarrer im Ruhestand Dr. Herbert Specht, Bad Wörishofen, ist nicht nur Sammler der kostbaren Lithografien und Drucke, sondern auch engagierter Vermittler der „Biblia Sacra“. In Wanderausstellungen seiner Schätze lädt er Menschen ein, über die Bewunderung der künstlerischen Finesse dieser Blätter hinaus die darin enthaltenen biblischen Botschaften zu entdecken. In Jena stieß er mit seinem Anliegen bei Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr auf offene Ohren und so entstand das Dalí-Projekt.

In zwei Zyklen werden ab 15. Oktober bis zum Ende des Semesters in der Jonakapelle der Theologischen Fakultät jeweils zehn Originalgrafiken aus der Sammlung Specht gezeigt. Zur Langen Nacht der Wissenschaften am 22. November wird in der Stadtkirche St. Michael die Ausstellung „Gottesbilder“ mit literarischen Texten zu Dalí und Drucken seiner „Biblia Sacra“ eröffnet. Zum Dalí-Projekt erscheint eine Broschüre mit Informationen zu den Ausstellungen und Predigten sowie mit farbigen Abbildungen der in ihrem Zentrum stehenden Dalí-Blätter.

Für die Öffentlichkeit ist der Besuch der Jonakapelle am Fürstengraben 6 außer an Feiertagen jeweils Mittwoch von 12 bis 18 Uhr möglich. Öffnungszeiten der Stadtkirche St. Michael außerhalb der Gottesdienste sonntags und montags 12 bis 17 Uhr, dienstags bis samstags 10 bis 17 Uhr. Termine der Dalí-Predigten: Dienstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, dann sonntags am 10.11., 1.12., 12.1. und 2.2. jeweils 10 Uhr, Stadtkirche St. Michael.

Feierliche Semestereröffnung der Theologischen Fakultät: Dienstag, 15. Oktober 16.15 Uhr in der Aula im Universitätshauptgebäude. Den Gastvortrag „It‘s all about motion“ hält Prof. Dr. Martin S. Fischer, Professor für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie. Im Anschluss Eröffnung der Ausstellung „Salvador Dalí – Biblia Sacra“ in der Jonakapelle, Fürstengraben 6.

Veranstaltungshinweis FSU JENA

11.10.2019