Bis zuletzt schien die Entscheidung offen, ob Jenas Basketball-Riesen nicht doch die Option einer BBL-Wildcard ziehen. Um sich auch in der kommenden Saison mit Bayern München, ALBA Berlin oder Brose Bamberg messen zu können, hätte Science City einen Betrag von 700.000 Euro investieren müssen, eine freie Lizenz der aktuell 17 Teams umfassenden easyCredit BBL vorausgesetzt. Schlussendlich entschied das immer kleiner werdende Zeitfenster, um Planungssicherheit gewährleisten zu können. Somit startet das Team der sich gerade neu formierenden Ostthüringer Basketballer ab September 2019 in der BARMER 2. Basketball Bundesliga. Im Interview mit Lars Eberlein gewährt der Geschäftsführer der Baskets Jena GmbH ein paar interessante Einblicke in die derzeit laufenden Planungen.

Mit Ex-Bundestrainer Frank Menz hat Ende Mai 2019 ein neuer Sportdirektor und Cheftrainer das Ruder auf der Jenaer Kommandobrücke übernommen. Er kümmert sich um die Zusammenstellung des Kaders, sichtet den Markt und konnte die ersten Neuverpflichtungen bereits unter Vertrag nehmen. Wie fällt nach einigen Wochen Ihr erstes Fazit au

Die Zusammenarbeit mit Frank Menz verläuft sehr positiv. Er verfügt über ein großes Netzwerk, umfangreiche Kontakte, sucht im Rahmen des vorgegebenen Budgets auf dem Markt nach Spielern, die zu unserem neuen Kader sowie in das Jenaer Konzept passen. Aktuell standen und stehen natürlich in erster Linie die deutsche Akteure im Vordergrund. Die Vorverhandlungen laufen über Frank, die finalen Gespräche zum vertraglichen Teil dann in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle. Trotz der frühen Phase des Sommers liegen wir aktuell sehr gut im Zeitplan. Aber an der Situation des Sportdirektors und Trainers in Personalunion hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren nichts Grundlegendes geändert. Insofern läuft alles ähnlich wie früher auch.

Wie schätzt der Geschäftsführer die personelle Lage bei Science City ein?

Wir haben uns aufgrund der Ausrichtung des Programms sowie der Gegebenheiten in der ProA zunächst natürlich auf deutsche Akteure fokussiert. Auch das Thema Jugend, Nachwuchs und 2. Mannschaft besitzt in unseren Planungen einen hohen Stellenwert. Hier wurden bereits zahlreiche Gespräche geführt, um die zuletzt erfolgreichen Teams weiterzuentwickeln und eine Basis zu schaffen, auf die wir aufbauen können. In den Kadern der JBBL, der NBBL und der Regionalliga brauchen wir ein stabiles Fundament, um sportlich gesund wachsen zu können.

Offene Baustellen bestehen unterdessen neben einem Assistenztrainer an der Seite von Frank noch im Bereich des Physiotherapeuten und des Athletiktrainers, da Felix Beck näher an seiner schwäbischen Heimat arbeite wollte. Weiterhin suchen wir auch im Nachwuchsbereich nach einem Mitarbeiter für die gesamte Koordination.

Mit Blick auf die bisherigen Neuverpflichtungen und Verlängerungen erweckt es momentan den Eindruck, als würde Science City (noch) zweigleisig planen?

Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass eine Wildcard nicht in Frage kommt. Wir sind sportlich abgestiegen, was ärgerlich genug war, nehmen es aber ebenso sportlich und wollen uns auf dem regulären Weg wieder für die BBL qualifizieren. In Verbindung mit ein, zwei neuen größeren Sponsoren, die bei Klassenerhalt eingestiegen wären, hat das Thema dann noch einmal Fahrt aufgenommen. Durch diese in Aussicht gestellten, frischen Sponsoringerlöse in Kombination mit den Einnahmen von der Liga wären die Kosten einer Wildcard am Ende überschaubar gewesen. Insofern mussten wir uns mit dem Thema beschäftigen und es wäre aus wirtschaftlicher und sportlicher Sicht fahrlässig gewesen, nicht wirklich alle Optionen durchzurechnen und auszuloten. Nichtsdestotrotz ist die Zeit mittlerweile schon zu weit fortgeschritten, um sich in dieser späten Phase noch ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Keiner weiß, was im Fall der Nürnberger Lizenzverweigerung passiert, ob und wann dann tatsächlich eine Wildcard ausgeschrieben wird. Das dürfte sich wohl mindestens auch noch einmal über ein oder zwei Wochen hinziehen.

Insofern haben wir uns am Anfang zunächst auf deutsche Akteure konzentriert, die sowohl in der BBL als auch in der 2. Liga spielen können, allein um uns die Tür so lang wie möglich offenzuhalten. Mittlerweile es ist allerdings unmöglich, um noch seriös in beide Richtungen zu planen. Die Gespräche mit vielen Sponsoren sind abgeschlossen. Das bedeutet, wir müssten alle Verträge noch einmal neu verhandeln bzw. abschließen. Insofern kann ich es zu 99,9 Prozent ausschließen, dass das Thema Wildcard aus unserer Sicht noch einmal akut wird.

Planungssicherheit statt Wildcard - Science City legt sich auf die ProA fest

Planungssicherheit statt Wildcard - Science City legt sich auf die ProA fest /Symbolfoto, DeinJena red.Archiv

Diesbezüglich wird es ja auch ergebnisoffene Gespräche mit Frank Menz gegeben haben?

Natürlich haben wir uns ausgiebig über das Thema unterhalten. Gemessen am Anspruch der sportlichen Herausforderung, wäre es aus Franks Sicht natürlich sehr interessant gewesen, weiterhin erstklassig spielen und trainieren zu können. Ich glaube, in der BBL anzutreten und über Franks Netzwerk einen Kader zusammenzustellen, welcher die Klasse hält, wäre einfacher gewesen, als ein Team neu aufzubauen, dass verlässlich aufsteigen wird. Die ProA wird stark sein, vermutlich so stark wie noch nie. Es werden unter Umständen bis zu acht oder neun Clubs sein, die über das Potential verfügen, aufsteigen zu können und zu wollen.

Gab es Kontakt bzw. Anfragen seitens der Liga-Zentrale aus Köln?

Natürlich stehen wir mit der Liga in Verbindung und hatten uns auch über dieses Thema verständigt. Science City Jena wird mittlerweile als ein sehr positiver Standort wahrgenommen und hätte bei einer Wildcard ganz sicher gute Chancen. Ich denke, dass sich sonst kaum ein Interessent bewerben oder einen Antrag stellen würde.

Ein kurzer Ausflug ins Reich des Konjunktivs. Würde ein gewisser Grad an Kompromissbereitschaft seitens der BBL hinsichtlich der WC-Gebühr an den laufenden Planungen etwas ändern?

Die BBL hat die Kosten einer Wildcard ja nicht ohne Grund auf diese Höhe taxiert. Wenn es da einen Kompromiss gäbe, wäre es mit Sicherheit noch einmal einen Gedankengang wert. Da müsste man sich letztendlich die Frage stellen, ob es in unserem Umfeld mit bestehenden und neuen Sponsoren zu diesem Zeitpunk sinnvoll wäre, diese Summe zu stemmen ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. Pragmatisch gesehen, denke ich, dass es reizvoller ist, sich neu aufzustellen, die Euphorie eines möglichen Aufstiegs mitzunehmen und am Ende Sponsoren zu begeistern bzw. neue Unterstützer hinzuzugewinnen, die unser Budget noch einmal ein deutliches Stück über die Anforderungen (der BBL-Mindestetat beläuft sich auf 3 Mio. Euro) schrauben könnten. Insofern beschäftigen wir uns ab sofort im Wesentlichen mit dem Plan einer sportlichen Rückkehr in die BBL.

Info, Newsteam Science City Jena

03.07.2019