Wie funktionierte die DDR vor Ort? Auf welche Weise beteiligten sich Bürger an politischen Entscheidungen in ihrer Gemeinde? Für welche Themen engagierten sich die Menschen? Fragen wie diese werden während der Tagung „Gesellschaft als staatliche Veranstaltung? Orte politischer und kultureller Partizipation in der DDR“ am 10. und 11. Oktober in Jena gestellt. Dazu laden Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena alle Interessierten ein.

„Wir fragen danach, wie DDR-Bürger staatliche Strukturen für ihre eigenen Ziele nutzen konnten“, sagt Dr. Bertram Triebel. Der Historiker von der Universität Jena bereitet die Tagung vor und wird selbst einen der Vorträge halten. Triebel verweist darauf, dass die beteiligten Historikerinnen und Historiker einen Blick „von unten“ auf die DDR-Gesellschaft werfen wollen, weg vom Berlin-Bezug. Und dies in einem doppelten Sinn. Zum einen stehen lokale Herrschaftsverhältnisse im Mittelpunkt. Zum anderen gehe es darum, wie und warum sich Bürger für das eigene Umfeld einsetzten.

Die Demonstration am 1. Mai (hier 1961) war vom Staat vorgegeben. Auf welche Weise sich Bürger der DDR an politischen Entscheidungen beteiligten, wird bei der Tagung an der Universität Jena u. a. diskutiert. (Foto: Fotozentrum FSU) 

Die Demonstration am 1. Mai (hier 1961) war vom Staat vorgegeben. Auf welche Weise sich Bürger der DDR an politischen Entscheidungen beteiligten, wird bei der Tagung an der Universität Jena u. a. diskutiert.

(Foto: Fotozentrum FSU)

Diskussion mit dem Publikum ist erwünscht

Diese Aspekte behandelt die Tagung in vier Sektionen, wobei eine rege Diskussion mit dem Publikum ausdrücklich erwünscht ist. In ihren Vorträgen beleuchten die meist jungen Forscher, inwiefern sich die Herrschaftspraxis zwischen Stadt, Land und Betrieb unterschied. In den Blick rücken auch die Blockparteien und Massenorganisationen. „Häufig nutzten deren Mitglieder die bestehenden Strukturen, um die Lebensverhältnisse in ihrer Gemeinde zu verbessern“, sagt Bertram Triebel. Ein weiteres Thema sind die konkreten Anliegen der Bürger, etwa die Pflege lokaler Traditionen oder der Schutz der heimischen Umwelt. Bertram Triebel verweist darauf, dass nicht nur die DDR-Zeit im Fokus stehen wird, sondern auch der Wandel des lokalen Engagements im Zuge der Friedlichen Revolution.

Die Tagung „Gesellschaft als staatliche Veranstaltung? Orte politischer und kultureller Partizipation in der DDR“ wird veranstaltet von der Professur für Europäischen Diktaturvergleich der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem BMBF-Verbund „Diktaturerfahrung und Transformation“ und der Stiftung Ettersberg. Gäste sind in den Rosensälen (Fürstengraben 27) herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.  

Das Programm der Tagung im Internet:

www.histinst.uni-jena.de/Bereiche/Europäischer+Diktaturenvergleich.html 

Kontakt:

Dr. Bertram Triebel

Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Fürstengraben 13, 07743 Jena

Tel.: 03641 / 944042 

E-Mail: bertram.triebel@uni-jena.de

Veranstaltungshinweis FSU JENA

30.09.2019