Ein feuriges ungarisches Konzert! Das vierte Kaffeekonzert führt nach Ungarn, oder zumindest dahin, was mit ungarischer Musik verbunden wird. Um den Rákóczy-Marsch, der in Ungarn ab 1848 in etwa die Rolle einnahm wie sie die „Marseillaise“ seinerzeit in Frankreich hatte, in seine monumentale dramatische Legende „La damnation de Faust“ einzubringen, verlegte Berlioz die Handlung des ersten Teils in die ungarische Puszta.

Im 19. Jahrhundert hielten Komponisten und ihre Hörer vor allem den Csárdás, den osteuropäische, über den ganzen Balkan ziehende und seinerzeit „Kaffeehaus-Zigeuner“ genannte Musiker spielten, für die originale ungarische Folklore. Deren Ursprung liegt aber beim Verbunkos, einem Tanz, mit dem im 18. Jahrhundert Soldaten für die habsburgische Armee angeworben wurden.

Als Brahms 1853 den zu einer solchen ungarischen Emigrantengruppe gehörenden Geiger Reményi auf einer Tournee begleitete, spielten sie solche Musik. Nachdem Brahms dann 15 Jahre später seine „Ungarischen Tänze“ für Klavier zu vier Händen vorlegte, hob er hervor, dass sie als „echte Zigeunerkinder“ nicht von ihm „gezeugt, sondern nur mit Milch und Brot aufgezogen“ wären.

Kaffeekonzert № 4 »Éljen a Magyar!« .. Sonntag 05.05.2019 15:00 Uhr Volkshaus/Großer Saal

Die Frage nach der Authentizität ungarischer Folklore stellte auch Liszt nicht. Er war nicht ins Innere des Landes vorgedrungen, wohin erst Bartók und Kodály um 1905 gelangt sind. Ihre Forschungen haben nachgewiesen, dass Liszt sich über die Authentizität dieser Melodien im Irrtum befand. Dennoch rühmte Bartók Liszts „Ungarische Rhapsodien“ als „vollendete Schöpfungen eigner Art“. Denn das benutzte Material „könnte nicht genialer und schöner bearbeitet werden.“

Sebastian Urmoneit

Johann Strauss (Sohn):
„Éljen à Magyár", Polka schnell op. 332

Johannes Brahms:
Ungarischer Tanz Nr. 5 g-Moll WoO 1

Franz Liszt:
Ungarische Rhapsodie Nr. 2 c-Moll S. 244/2
Bearbeitung: Karl Müller-Berghaus

Johann Strauss (Sohn):
„Der Zigeunerbaron“, daraus: Ouvertüre und „Einzugsmarsch“

Hector Berlioz:
„Fausts Verdammnis“ op. 24, daraus: „Rakoczy-Marsch"

Johann Strauss (Sohn):
Pester Csárdás op. 23

Nico Dostal:
„Die ungarische Hochzeit", daraus: Ouvertüre und Ungarischer Marsch

Franz Lehár:
„Zigeunerliebe“, daraus: Ouvertüre

Emmerich Kálmán:
„Die Csárdásfürstin“ (Potpourri)

Émile Waldteufel:
„Les Bohemians“ (Zigeuner-Polka) op. 216

Johann Strauss (Enkel):
Budapester Polka op. 26

Béla Bartók:
„Magyar Képek“, Ungarische Skizzen - 5 Bilder aus Ungarn Sz 97

Johann Strauss (Vater):
Furioso-Polka (quasi Galopp) nach Liszts Motiven op. 260

Jenaer Philharmonie
Thomas Wicklein, Leitung

Veranstaltungshinweis Jenaer Philharmonie

Fotografik, Jenaer Philharmonie, Foto: Christoph Worsch