Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei – akademische Freiheit ist ein Grundrecht in der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Grundrecht schützt die Unabhängigkeit der Auftragsforschung ebenso wie der zweckfreien, ergebnisoffenen Grundlagenforschung. Neben wohlbegründeten Grenzen durch andere Grundrechte wird Wissenschaft aber nicht erst seit Galileo Galilei von weniger offiziellen Riegeln des Denk-, Forsch- und Sagbaren verengt. Mit diesen alten und neuen Riegeln beschäftigt sich der aktuelle Thüringentag für Philosophie, der unter dem Titel „Freiheit der Wissenschaft – in Gefahr?“ steht. Er findet am 25. November an der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Von 10.30 bis 18.30 Uhr sind alle Interessierten in den Großen Rosensaal (Fürstengraben 27) herzlich eingeladen – der Eintritt ist frei.

Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit sind Alltag

In der Gegenwart ereifern sich Teile der Gesellschaft über die Wissenschaftsfreiheit, die zwischen legitimer Limitierung und gefährlicher Gefügigmachung mäandert. Tabus und „political correctness“ bestimmen immer mehr den öffentlichen Diskurs in und über Forschung und Wissenschaft. Beispiele sind die aktuellen Debatten um die Forschung am menschlichen Erbgut oder auch für militärische Organisationen und nicht zuletzt die Frage, wer an Universitäten reden darf. Auf Grundlage dieser Beobachtungen widmet sich der Thüringentag wichtigen Fragen: Werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Zusammenhang ihrer ethischen und rechtlichen Verantwortung nicht mehr gerecht? Gibt es Rechtfertigungen für Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit? Versuchen Politik und gesellschaftliche Gruppen zunehmend Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung zu nehmen?

Öffentlicher Thüringentag für Philosophie am 25. November an der Universität Jena   Freiheit der Wissenschaft – in Gefahr?

Öffentlicher Thüringentag für Philosophie am 25. November an der Universität Jena

Freiheit der Wissenschaft – in Gefahr?

Fotografik / Symbolfoto DeinJena red.

Von Fundamentalismus bis Zivilklausel

Die Referenten aus ganz Deutschland stellen aus unterschiedlichen Fachperspektiven ihre Erkenntnisse vor. So ergründet beispielsweise der Philosoph Klaus-Michael Kodalle unter dem Schlagwort „Fundamentalismus“, auf welche Weise sich Wissenschaft höchstselbst ihre eigene Freiheit abschneidet. Anhand eines geschichtlichen Blicks auf Jenaer Vergangenheiten trägt er Einsichten zusammen und legt daran Thesen zum Stand der Wissenschaftsfreiheit der Gegenwart dar. Außerdem wird das juristische Spannungsfeld der Forschungsfreiheit zwischen Freiheit und Regelsetzung begreiflich. In einem zweiten Inhaltsabschnitt befasst sich die Tagung mit schleichenden Formen der wissenschaftlichen Diskursverengung: der möglichen Diskussionserschwerung auf sprachlicher Ebene, den Auswirkungen der Ideologisierung auf die Forschenden und ihre Arbeit, den Umgang der Wissenschaft mit „befindlichkeitserregenden“ Aussagen. Zum Abschluss des Tages wird es um kodifizierte Eingrenzungen der Wissenschaftsfreiheit gehen: Um die Zivilklausel – eine Selbstverpflichtung, sich von militärischer Forschung fernzuhalten – und ihr Widerspiel zur Forschungsfreiheit sowie um die Abwägung von freier Forschung und ethischer Bindung, wie sie tägliches Brot der universitären Ethikkommissionen ist. 

Die öffentliche Tagung wird in Zusammenarbeit des Ethikzentrums der Universität Jena mit der Neuen Thüringischen Gesellschaft für Philosophie e. V. ausgetragen.

Der Thüringentag für Philosophie in Kürze:

Thema: „Freiheit der Wissenschaft – in Gefahr?“

Datum: 25. November 2019

Uhrzeit: 10.30 bis 18.30 Uhr

Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, Jena – Eintritt frei

Weitere Informationen: www.ethik.uni-jena.de

Veranstaltungshinweis FSU JENA

14.11.2019