Das Haus Fürstengraben 23 – die sogenannte Wucherey – hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Als Haus der Familie Wucherer entstand es um 1790 über einer Kelleranlage aus dem 16. Jahrhundert. Viele Jahre diente die Wucherey als Studentenburse, de facto war das Haus ein frühes Studentenwohnheim. Im Jahr 1858 erwarb die Universität Jena das Gebäude und ließ es zum Hauptgebäude umbauen. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 8. September, kann das Haus von 10 bis 14 Uhr besichtigt werden.

Eine Stadtansicht von 1571 belegt, dass das Grundstück am Fürstengraben bereits bebaut war. Ausgerichtet war der ursprüngliche Bau zur Jenergasse hin, da auf der Rückseite der Stadtgraben verlief. Vermutlich im 18. Jahrhundert wurden mehrere Einzelgebäude zu einem Baukörper zusammengefasst. Nachdem die Universität Jena das Haus zum 300. Gründungsjubiläum 1858 erworben hatte, wurde es zum Kollegiengebäude umgebaut. Es enthielt sowohl den Versammlungsraum des Senats als auch Dekanats- und Sprechzimmer sowie mehrere Auditorien. Bis heute prägt der spätklassizistische Umbau das Haus – unter anderem mit seiner streng gegliederten Fassade und dem repräsentativen Vorbau zum Fürstengraben hin. Nach 1908 wurde im Haus eine Anstalt für Gerichtliche Medizin und naturwissenschaftliche Kriminalistik eingerichtet, weshalb es 1936 erneut Umbauten gab. Eine Zeitlang waren das Institut für Allgemeine und Krankenhaushygiene sowie die Juristische Fakultät im Fürstengraben 23 untergebracht. Seit dem Auszug der Rechtsmediziner im Herbst 2016 steht das Haus leer.

Die „Wucherey“ (Fürstengraben 23) kann zum Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Die „Wucherey“ (Fürstengraben 23) kann zum Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Das Gebäude Fürstengraben 23 ist seit den 1970er Jahren als Kulturdenkmal anerkannt und als Einzeldenkmal vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege im Denkmalbuch verzeichnet. Am 8. September werden der Architekt Peter Tandler und der Bauforscher Lutz Scherf den Gästen Fragen zur Geschichte des Hauses beantworten. Unter sachkundiger Führung können Keller- sowie Erd- und erstes Obergeschoss in Augenschein genommen werden. Führungen werden in der Zeit von 10 bis 14 Uhr stündlich angeboten. 

Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September kann ebenfalls das Phyletische Museum der Universität Jena besichtigt werden. Gebaut wurde das Museum 1907/08 auf Betreiben des Evolutionsbiologen Ernst Haeckel, der die Gestaltung des Hauses intensiv beeinflusste. So setzte Haeckel das „Prinzip der Symmetrie in der Formbildung aller Lebewesen“ als Vorgabe für Baukörper und Fassadengestaltung durch. Dieses Prinzip findet sich zum Beispiel in der neu sanierten Eingangshalle des Museums verwirklicht.

Am 8. September ist das Phyletische Museum von 10 bis 16 Uhr geöffnet, kompetente Ansprechpartner stehen zur Verfügung. 

Veranstaltungshinweis FSU JENA

28.08.2019