Deutschland erinnert sich in diesen Wochen an die Friedliche Revolution von 1989. In Jena kann dabei die Rückschau auf eine ihrer prägenden Persönlichkeiten nicht fehlen: Klaus-Peter Hertzsch. Der Theologe Hertzsch war vor allem als Erzähler und Schriftsteller, als Vermittler und Versöhner bekannt. Am 25. November 2015 ist Klaus-Peter Hertzsch in Jena gestorben. Vier Jahre später, im Rahmen der Erinnerung an die Friedliche Revolution, ehren ihn die Theologische Fakultät der Universität Jena und der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Jena. Am 19. November um 17 Uhr wird eine Gedenktafel an dem Haus im Ricarda-Huch-Weg 12, in dem Hertzsch viele Jahrzehnte wohnte, enthüllt. Ab 18 Uhr sprechen in der Rathausdiele die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Bundestagsmitglied Christoph Matschie. Die beiden studierten Theologen werden an ihre Positionen und Reflexionen zwischen emanzipativer Bürgerbewegung und konservativen Politikvorschlägen für Deutschland 1989/1990 erinnern. Und sie formulieren ihre Hoffnungen für heute unter dem Thema „Klaus-Peter Hertzsch am 26. November 1989 auf dem Platz der Kosmonauten – eine prophetische Rede?“

Die interessierte Öffentlichkeit und die Medien sind zu beiden Veranstaltungen herzlich eingeladen.

Der Erzähler

Klaus-Peter Hertzsch, geboren am 23. September 1930, war ein begnadeter Erzähler. Von 1968 bis 1995 hatte er den Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne. „Praktische Theologie als Erzählkunst“ hieß seine Antrittsvorlesung 1969 – ein Leitbild, das er sowohl in seiner akademischen als auch in seiner kirchlichen Arbeit umsetzte. „Die Bibel redet ja von Gott nicht, indem sie ihn zu definieren versucht, sondern indem sie Geschichten erzählt“, so formulierte er in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag. Hertzsch lehrte und praktizierte das Erzählen. Als Dichter und Schriftsteller wurde er durch seine Gedichte, Lieder und Meditationen deutschlandweit bekannt.

 

Die Dekanin der Theologischen Fakultät der Universität Jena Prof. Dr. Corinna Dahlgrün und Superintendent Sebastian Neuß vom Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Jena präsentieren die Gedenktafel für den Theologen Klaus-Peter Hertzsch. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Die Theologische Fakultät der Universität Jena und der Ev.-Luth. Kirchenkreis Jena ehren Klaus-Peter Hertzsch am 19. November mit einer Gedenktafel und einem Podium in der Rathausdiele

Die Dekanin der Theologischen Fakultät der Universität Jena Prof. Dr. Corinna Dahlgrün und Superintendent Sebastian Neuß vom Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Jena präsentieren die Gedenktafel für den Theologen Klaus-Peter Hertzsch. 
(Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Der Vermittler

Als Studentenpfarrer, Seelsorger und Professor hat Klaus-Peter Hertzsch Generationen von Studierenden geprägt und für die praktische Arbeit im Pfarramt vorbereitet. Kirchenpolitisch bemühte er sich über Jahrzehnte und vor allem in der Wende-Zeit um eine Versöhnung der Gegensätze. Dabei mahnte er einen sachlichen Umgang miteinander an: „Verantwortlich reden“ nannte er diese Form des Dialogs.

Am 2. März 2011 wurde Klaus-Peter Hertzsch mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt die Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena verliehen, die zuvor vom Stadtrat einstimmig für seine außerordentlichen Verdienste als praktischer Theologe, akademischer Lehrer, menschlicher Begleiter der Studenten, Buchautor und Mahner, in Anerkennung seines öffentlichen Wirkens zum Wohle der Stadt Jena beschlossen worden war.

An all dies wollen die Theologische Fakultät und der Kirchenkreis Jena mit ihrer Ehrung anknüpfen.

Auf einen Blick:

19.11.2019, 17.00 Uhr: Enthüllung der Gedenktafel zu Ehren von Prof. Dr. Klaus-Peter Hertzsch, Ricarda-Huch-Weg 12.

18.00 Uhr: Podium in der Rathausdiele „Klaus-Peter Hertzsch am 26. November 1989 auf dem Platz der Kosmonauten – eine prophetische Rede?“ mit Christine Lieberknecht und MdB Christoph Matschie.

Info, FSU JENA 

15.11.2019