Länderspiel- und DFB-Pokal-Pause sind beendet, für den FF USV Jena geht es am Wochenende darum, auch in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga Erfolgserlebnisse einzufahren. Die Aufgabe ist dabei jedoch keine einfache: mit dem 1. FFC Frankfurt wartet der deutsche Rekordmeister und vierfache UEFA Women’s Champions League-Sieger auf die Mannschaft von Cheftrainer Christopher Heck.

Trotzdem will man unbedingt den Aufwind aus dem Erreichen des Pokal-Achtelfinales mitnehmen: in einer lange spannenden Partie bei der SG 99 Andernach war es am vergangenen Samstag Anna Weiß, die mit ihrem Treffer in der zweiten Halbzeit das Weiterkommen für die Thüringerinnen sicherte.

Parallelen zum Vorjahr

Ein erstaunlicher Vergleich lässt sich zur letzten Spielzeit in der 2. Frauen-Bundesliga ziehen: auch dort startete der FF USV Jena mit zwei hohen Niederlagen in die Spielzeit (0:5 beim FSV Gütersloh, 0:4 gegen den SV Meppen) und reiste nach dem Sieg im Thüringer Fairplay-Pokal (7:0 beim 1. FFV Erfurt) und dem DFB-Pokal-Auftritt (0:3 gegen den FC Bayern München) mit einem Torverhältnis von minus neun in die Main-Metropole. Bibiana Schulze Solano brachte den FFC kurz nach der Pause in Führung. Als sich die mitgereisten Jenaer Fans bereits mit der dritten Niederlage abgefunden hatten, sorgte Kapitänin Susann Utes in der fünften Minute der Nachspielzeit für den vielumjubelten Ausgleich und den ersten Punktgewinn der Saison.

Auch wenn die Torschützin von damals mittlerweile als Co-Trainerin auf der Bank Platz genommen hat, lehrt diese Partie, dass es sich lohnt, sich auch nach Rückständen nicht aufzugeben und bis zum Schluss zu kämpfen. Das Annehmen von Zweikämpfen, der unbedingte Wille und das Minimieren individueller Fehler sind einige der Schlüssel, die es gegen Frankfurt auf den Platz zu bringen gilt.

Jena Außenseiter gegen Elf vom Main

An einer Stelle hinkt der Vergleich zum Vorjahr jedoch: in der Saison 2018/2019 spielten die Thüringerinnen vor 112 Zuschauern im Stadion am Brentanobad „nur“ gegen die zweite Mannschaft des FFC Frankfurt, nun geht es vor über eintausend Fans gegen eine mit Nationalspielerinnen gespickte Säule der FLYERLARM Frauen-Bundesliga, welche in der Liga noch nie gegen den FF USV Jena verloren hat. „Wir sind ganz klar der Außenseiter“, stellt Jenas Trainer Christopher Heck fest. „Der FFC um Coach Niko Arnautis hat die Qualitäten, um die Plätze drei bis fünf in der Tabelle hinter Wolfsburg und München für sich zu reklamieren.“

Mit Tanja Pawollek (Fritz-Walther-Medaille in Bronze 2016 und Gold 2018), Sophia Kleinherne (Bronze 2017, Silber 2018), Laura Freigang (Bronze 2015) oder Shekiera Martinez besitzt der FFC eine Reihe von deutschen Juniorennationalspielerinnen in seinen Reihen, die im DFB-Trikot bereits einige Titel einfahren konnten.

„Wir müssen dafür sorgen, das FFC-Zentrum möglichst gut auszuschalten und die Wucht der Frankfurter Top-Offensive zu stoppen, was eine sehr schwere Aufgabe wird. Denn Ziel ist es für uns, nach zwölf Gegentoren an den ersten beiden Spieltagen gegen den FFC so wenige Treffer wie möglich zu kassieren, lange Zeit die Null zu halten und selbst mit einigen Nadelstichen zu Chancen zu kommen und den Favoriten zu ärgern – dann schauen wir mal, was am Ende dabei herumkommt“, so Chris Heck über die bevorstehende Aufgabe.

Ein überraschender Jenaer Erfolg am Brentanobad wäre nicht nur der erste in der langen Geschichte des hessisch-thüringischen Duells, sondern gleichzeitig auch der letzte auf fremdem Platz. Denn im kommenden Jahr schließt sich der ruhmreiche 1. FFC Frankfurt als Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs dem Lizenzverein Eintracht Frankfurt an – der logische Schritt, um finanziell wieder in den Regionen mitzuspielen, die bis vor wenigen Jahren noch Frankfurt-dominiert waren. 

Ein besonderes Spiel für Jenas Trainer

Für Jenas Trainer Christopher Heck wird das zweite Liga-Auswärtsspiel im FF-USV-Trainingsanzug ein ganz spezielles: von 2011 bis Dezember 2018 war der gebürtige Hesse in Diensten des FFC aktiv – zunächst nur als Trainer von U16, U17 oder U20, später in Doppelfunktion als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten, sowohl Funktionären aber auch Spielerinnen, die er selbst betreut hat, steht dem 45-Jährigen bevor.

„Ich freue mich sehr, heute als Trainer des FF USV Jena an meine alte Wirkungsstätte nach Frankfurt zurückzukehren!“, gibt sich Heck euphorisch. „Gastgeschenke in Form von Punkten möchte ich aber nicht mitbringen.“

Info, Newsteam FF USV JENA

Fotografiken DeinJena red./ Jenafotografx

10.09.2019