Ob im Pflegebereich, beim Dienstleister Fördertechnik oder im IT-Service-Unternehmen, beim Thema „Nachhaltigkeit“ kommt man immer wieder auf die Frage, wie die Mitarbeitenden motiviert werden, damit sie ihre Arbeit mit Engagement ausführen wollen. Nur dann kann auch ein Unternehmen stark sein, den komplexen Anforderungen standhalten – und nachhaltig agieren.

„Nachhaltigkeit bedeutet Langfristigkeit?“ fragte Moderator Prof. Dr. Nico Brehm (Informatik) bei der gestrigen Veranstaltung zum Thema „Nachhaltige Ansätze in der Digitalisierung“ an der EAH Jena.

Antworten hatte es dazu schon eine Woche zuvor gegeben, als Prof. Dr. Katharina Rädel-Ablass (Pflegemanagement), Jeanette Kadner (Waldkliniken Eisenberg) und Prof. Dr. Hubert Ostermaier (Unternehmensführung) am 21. Mai über ein nachhaltiges Personalmanagement diskutierten. Denn nicht nur die Wirtschaftlichkeit von Projekten stehe im Fokus, sondern der Mensch – die Mitarbeitenden – das Team. Alle waren sich einig: Ein Schlüssel für gute Arbeit ist die Wertschätzung der Führungskraft.

Das gilt in hohem Maße für das Pflegepersonal, wo das „sich wohlfühlen im Team“ und Mitspracherecht des Einzelnen entscheidende Faktoren sind. Das emotionalste Thema sei hier die Dienstplanung erläuterte Rädel-Ablass, worauf Kadner die eingesetzte Dienstplanungssoftware vorstellte und erklärte, wie die Mitarbeitenden eigene Prioritäten direkt selbst ins Programm eintragen können.

Dass der Mensch nicht nur beruflich, sondern auch „privat“ ist, ergänzte Ostermaier. Nur wer sich in einem Bereich wohlfühlt, kann auch in anderen belastbar sein. In unserer heutigen Zeit, die durch Anonymisierung, Globalisierung, Digitalisierung sowie Kosten- und Leitungsdruck geprägt ist, brauchen wir laut Ostermaier einen Perspektivwechsel und seine Botschaft war: „Achte auf das Jetzt“.

Moderator Prof. Dr. Nico Brehm, Prof. Dr. Christian Erfurth, Sven Richter und Sven Lindig

Moderator Prof. Dr. Nico Brehm, Prof. Dr. Christian Erfurth, Sven Richter und Sven Lindig // Bild: Almuth-Elisabeth Pechmann

Am 28. Mai diskutierten Prof. Dr. Christian Erfurth (Informatik), Sven Lindig (Geschäftsführer der LINDIG Fördertechnik GmbH) und Sven Richter (Intershop Communications AG) ebenfalls über einen notwendigen Wandel im Management.

Es gäbe (noch) keine Blaupause für eine erfolgreiche Umsetzung von digitaler Transformation in Unternehmen, so Erfurth, aber schon eine ganzheitliche Sichtweise auf alle Faktoren, die eine starke Integration der Mitarbeitenden notwendig macht. Aus seinen eigenen Erfahrungen empfahl Lindig dazu ein soziokratisches Führungsmodell, bei dem die Abteilungsstrukturen durch interdisziplinäre Teams ersetzt werden. Dadurch lassen sich Räume schaffen, in denen die Angestellten eigenständig Lösungen finden und umsetzen. Richter betonte, dass die Motivation bei seinen Teams am größten ist, wenn sie neue IT-Serviceprodukte selbst testen können. Schnelles Ausprobieren heißt auch, Fehler machen zu dürfen.

Und die ökologische Perspektive? Auf die Frage nach der „enkelgerechten Zukunft“, erläuterten die Referenten, dass die Digitalisierung verschiedene Beiträge leistet, z.B. in Form von gleichmäßig hoher Auslastung von cloudbasierten Rechenzentren, durch den Einsatz von Sensorik in der Agrarindustrie beim Düngemitteleinsatz, oder durch die Versorgung von elektrisch betriebener Fördertechnik mit Strom aus regenerativen Energien.

Die nächste öffentliche Veranstaltung der Ringvorlesung findet am 4. Juni, um 17.00 Uhr im Klima-Pavillon Jena statt. Thema: „Herausforderung Kohleausstieg – Hintergründe und Folgen“ und, wenn Sie mögen, aus Ihrer Perspektive! 

Weitere Informationen:

www.eah-jena.de/studium-integrale

Info, EAH Jena // Bild: Almuth-Elisabeth Pechmann