Die heute vor 100 Jahren beschlossene Weimarer Reichsverfassung schrieb unter anderem die Trennung von Kirche und Staat rechtlich fest. Mit dem Ende der Monarchie in Deutschland war auch das Ende des landesherrlichen Kirchenregiments gekommen. Die evangelischen Landeskirchen waren gezwungen, ohne den Staat zu wirken und diese Trennung nun rasch organisatorisch klären zu müssen.

Diesem Themenfeld widmet sich die Tagung „Landeskirche ohne Landesherrn. Neuanfänge und Kontinuitäten der evangelischen Kirchen in der Zeit der Weimarer Republik“, die vom 29. bis 31. August im Weimarer Herderzentrum stattfindet. Veranstaltet wird sie vom Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christopher Spehr von der Universität Jena gemeinsam mit der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte und dem Verein für Kirchengeschichte der Kirchenprovinz Sachsen sowie dem Arbeitskreis Deutsche Landeskirchengeschichte.

Das Ende des „landesherrlichen Kirchenregiments“

„Die Konferenz widmet sich der historisch bedeutsamen Zäsur von 1919 aus kirchenhistorischer wie institutionengeschichtlicher Sicht“, fasst Prof. Spehr zusammen. In Fachvorträgen wird die Entwicklung ausgewählter evangelischer Landeskirchen dargestellt. Ebenfalls sollen deren unterschiedliche Reaktionen auf die durch die Weimarer Reichsverfassung hergestellte Trennung von Kirche und Staat sowie das Ende des „landesherrlichen Kirchenregiments“ im Mittelpunkt stehen.

Prof. Dr. Christopher Spehr von der Universität Jena ist Mitveranstalter der kirchenhistorischen Tagung. (Foto: Anne Günther/FSU)

Prof. Dr. Christopher Spehr von der Universität Jena ist Mitveranstalter der kirchenhistorischen Tagung. (Foto: Anne Günther/FSU)

Theologische Fakultät der Universität Jena veranstaltet vom 29.-31. August kirchenhistorische Tagung in Weimar

Da die vor einem Jahrhundert in Weimar getroffenen staatskirchenrechtlichen Regularien bis heute gelten, sei es das Ziel der Tagung, dem „Umbruch“ in die landeskirchliche „Selbstständigkeit“ und dessen Herausforderungen für den deutschen Protestantismus in der Weimarer Republik nachzuspüren, so Spehr. Es wird auch um die Frage gehen, wie sich das Verhältnis von Kirche und Staat in den 1920er Jahren aus Sicht der Landeskirchen gestaltete. Darüber hinaus werden die deutschen evangelischen Auslandskirchen im Fokus stehen. 

Öffentliche Abendvorträge

Ergänzt werden die Fachreferate durch zwei öffentliche Abendvorträge. Jenas Alt-Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke wird am 29. August um 18.00 Uhr eine politik- und ideengeschichtliche Einführung unter dem Titel „Die politischen und kirchlichen Herausforderungen nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland“ geben. Der ehemalige Bischof der Kirchenprovinz Sachsen Prof. Axel Noack hält am darauffolgenden Abend um 19.30 Uhr einen Vortrag über die Entstehung des Vorgängerbunds der Evangelischen Kirche in Deutschland, den Deutschen Evangelischen Kirchenbund.

Details zum Programm sind zu finden unter: https://bit.ly/2LPdXRD.

Info, FSU JENA // Axel Burchardt

31.07.2019